Bevölkerungsentwicklung

Auswirkungen des Zensus 2022 auf die Bevölkerungs- und Haushaltszahlen

Der Zensus 2022 hat die amtlichen Bevölkerungszahlen Deutschlands neu bestimmt und bildet seitdem die Grundlage der Bevölkerungsfortschreibung sowie der Hochrechnung des Mikrozensus.

Die auf Basis des Zensus 2022 ermittelten Bevölkerungszahlen liegen unter den zuvor fortgeschriebenen Werten. Nach den Ergebnissen des Zensus lebten zum Stichtag 9. Mai 2022 in Deutschland rund 1,4 Mio. Personen weniger Menschen als bislang angenommen (-1,6%). Insbesondere die Bevölkerungszahl von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit wurde deutlich nach unten korrigiert. Darüber hinaus ergeben sich größere Anpassungen bei jüngeren Altersgruppen sowie bei Personen in Mehrpersonenhaushalten.

Die auf Basis des Zensus 2022 neu berechneten Bevölkerungseckwerte wirken sich unmittelbar auf die Hochrechnung des Mikrozensus aus und beeinflussen damit sämtliche ausgewiesenen Bevölkerungs- und Haushaltsmerkmale. Insbesondere bei Mehrpersonenhaushalten wurden durch den Zensus 2022 frühere Überschätzungen korrigiert. Gleichzeitig setzt sich der langfristige Trend zu kleineren Haushalten und Einpersonenhaushalten fort.

Regionale Veränderungen können sowohl auf tatsächliche Bevölkerungsentwicklungen als auch auf die zensusbedingte Neubewertung der Bevölkerungszahlen zurückzuführen sein.

Weitere Informationen zur Hochrechnung des Mikrozensus auf Basis des Zensus 2022 finden sich unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Methoden/Erlaeuterungen/hochrechnung-mz-ab2021.html

Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung

Die Bevölkerungszahlen des Mikrozensus liegen aufgrund unterschiedlicher Grundgesamtheiten und Hochrechnungsverfahren dauerhaft unter den Ergebnissen der laufenden Bevölkerungsfortschreibung.
Während die Bevölkerungsfortschreibung die amtliche Gesamtbevölkerung ausweist, bezieht sich der Mikrozensus auf die Bevölkerung in Hauptwohnsitzhaushalten.

Die langfristige Entwicklung wird zudem durch mehrere methodische Umstellungen beeinflusst. Besonders sichtbar sind die Niveauanpassungen nach dem Zensus 2011 sowie aktuell nach dem Zensus 2022, die jeweils zu einer Neuberechnung der Bevölkerungsfortschreibung und der darauf aufbauenden Mikrozensus-Hochrechnung führten.

Die zwischen 2023 und 2024 sichtbaren Veränderungen sind maßgeblich auf die Umstellung der Hochrechnung auf Basis des Zensus 2022 zurückzuführen und sollten nicht als tatsächlicher Bevölkerungsrückgang in dieser Größenordnung interpretiert werden. Bei Vergleichen mit früheren Veröffentlichungen ist die Umstellung auf die Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022 entsprechend zu berücksichtigen.

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch internationale Wanderungsbewegungen beeinflusst. Während die Zahl der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit seit vielen Jahren weitgehend stabil oder leicht rückläufig ist, zeigt die ausländische Bevölkerung deutlich stärkere Veränderungen.

Besonders sichtbar sind die Zuwächse in den Jahren 2012 bis 2016 im Zusammenhang mit der verstärkten Zuwanderung Schutzsuchender, insbesondere aus Syrien. Ein weiterer deutlicher Anstieg ergibt sich in den Jahren 2022 und 2023 infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Die Zahl der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ab 14 Jahren (Grundgesamtheit der IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen) ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Während in der IVW-Va 2010 noch 64,8 Mio. deutsche Personen ab 14 Jahren ausgewiesen wurden, sind es in der IVW-Va 2026 auf Basis des Mikrozensus 2024 noch 61,1 Mio. Personen. Dies entspricht einem Rückgang um rund 3,7 Mio. Personen bzw. 5,7%.

Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Altersstruktur: Der Anteil der 50-Jährigen und Älteren steigt kontinuierlich, dagegen sinken die Anteile der jüngeren und mittleren Altersgruppen. Die Entwicklung spiegelt den demographischen Wandel in Deutschland wider. Ursachen sind insbesondere die seit Jahrzehnten niedrigen Geburtenzahlen sowie das Nachrücken geburtenärmerer Jahrgänge in die jüngeren Altersgruppen bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung.

Die Entwicklung der Haushaltszahlen in Deutschland von 2000 bis 2024 unterscheidet sich deutlich nach der Staatsangehörigkeit der Haupteinkommensperson. Die Gesamtzahl der Haushalte ist in diesem Zeitraum von 37.392 Tsd. (2000) auf 40.907 Tsd. (2024) gestiegen – ein Zuwachs von rund 3,5 Mio. Haushalten. Während die Zahl der Haushalte mit deutscher Haupteinkommensperson langfristig leicht rückläufig war, hat sich die Zahl der Haushalte mit nicht-deutscher Haupteinkommensperson im selben Zeitraum mehr als verdoppelt.

Die Zahl der Einpersonenhaushalte ist kontinuierlich gestiegen – von 11,4 Mio. im Jahr 1991 auf 17,4 Mio. im Jahr 2024. Auch die Zweipersonenhaushalte nahmen zu, wenn auch weniger dynamisch. Demgegenüber sind die größeren Haushalte rückläufig. Auffällig ist ein leichter Anstieg größerer Haushalte ab 2021 – vermutlich infolge der verstärkten Zuwanderung (u. a. aus der Ukraine). Methodische Umstellungen durch die Zensen 2011 und 2022 sind bei Zeitvergleichen zu berücksichtigen. Insgesamt bestätigt die Entwicklung den anhaltenden Trend zur Individualisierung der Lebensformen.

Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Deutschland ist langfristig rückläufig – von 2,29 Personen (1991) auf 2,01 Personen (2024). Der Rückgang verlief nicht kontinuierlich: Nach einem Tiefststand von 1,98 im Jahr 2019 stieg der Wert auf 2,06 im Jahr 2020, was unter anderem mit methodischen Umstellungen sowie veränderten Wanderungsbewegungen zusammenhängt. Seit 2021 bewegt sich die Haushaltsgröße stabil zwischen 2,01 und 2,03.

Während die Altersstruktur der Haushaltsvorstände in ländlichen Gemeinden sowie in Mittelstädten (Klassen 1-5, 7 und 9) relativ homogen ist, heben sich die Kerne der Großstädte (Klassen 6, 8 und 10) deutlich ab. In den Kernstädten ab 100.000 Einwohnern liegt der Anteil der jungen Haupteinkommenspersonen unter 30 Jahren mit 10,5% (Klasse 6), 13,8% (Klasse 8) bzw. 12,5% (Klasse 10) nahezu doppelt so hoch wie im jeweiligen Umland (7,7% bzw. 7,0%). Entsprechend niedriger sind dort die Anteile der über 50-Jährigen (62,0%, 57,8% bzw. 56,2%). Die vergleichsweise hohen Anteile junger Haupteinkommenspersonen in Großstadtkernen stehen unter anderem im Zusammenhang mit dem hohen Anteil von Studierenden sowie jungen Ein- und Zweipersonenhaushalten. Familien- und Seniorenhaushalte hingegen sind überdurchschnittlich häufig in ländlichen Regionen und im Umland der Städte zu finden.

Die Verteilung der Haushaltsgrößen unterscheidet sich auch nach der Staatsangehörigkeit der Haupteinkommensperson. Bei deutschen Haupteinkommenspersonen dominieren mit 41,9% die Einpersonenhaushalte, gefolgt von Zweipersonenhaushalten (34,8%). Größere Haushalte mit drei und mehr Personen spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Bei EU-Ausländern verschiebt sich das Bild: Zwar sind Einpersonenhaushalte mit 39,0% ebenfalls stark vertreten, Zweipersonenhaushalte fallen mit 27,9% etwas niedriger aus. Dafür steigen die Anteile größerer Haushalte – insbesondere Drei- und Vierpersonenhaushalte sind häufiger als bei deutschen Haushalten. Am deutlichsten unterscheiden sich die sonstigen Ausländer (Nicht-EU-Ausländer): Der Anteil der Einpersonenhaushalte liegt mit 41,5% zwar ähnlich hoch wie bei Deutschen, der Anteil der Zweipersonenhaushalte ist mit 21,1% jedoch deutlich geringer. Dafür sind Haushalte mit drei und mehr Personen wesentlich stärker vertreten, insbesondere Haushalte mit fünf und mehr Personen erreichen hier 10,2% (gegenüber 3,0% bei Deutschen). Die Unterschiede können unter anderem mit unterschiedlichen Altersstrukturen, Migrationsbiografien, Haushalts- und Familienformen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammenhängen. Der vergleichsweise hohe Anteil größerer Haushalte bei Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit dürfte zudem teilweise auf Familienzusammenführungen und unterschiedliche Lebens- und Wohnformen zurückzuführen sein.